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Die Gestaltung eines Repertoires für eine Gruppe von Lesern erfordert, den mutmaßlichen Durchschnittsgeschmack sowie die allgemeinen Bedürfnisse als Messlatte heran zu ziehen. Während ein individuelles Repertoire zu einem gewissen Grad subjektiv sein kann, muß sich ein generisches an einem solchen, relativ strikten Regelwerk orientieren.

1.Qualität
Mit Weiß bemühe ich mich += zu erreichen und mit Schwarz Ausgleich. Dies ist möglich durch eine sorgfältige Auswahl der Varianten. Es ist eine permanente Suche nach Qualität. Viele Spieler begehen den Fehler, nach “Billiglösungen ” zu suchen, um Zeit zu sparen. Diese Nebenvariantenstrategie überrascht anfänglich sicherlich den ein oder anderen Gegner. Langristig jedoch, führt sie zu blutarmen (mit Weiss) oder schlechten Stellungen (mit Schwarz), wenn sich die Gegner erst einmal vorbereiten. Dann wechselt unser Spieler zur nächsten Billigvariante und so fort. Am Ende wird er mehr Zeit aufgewandt haben als sein qualitätsbewusster Kollege, und dazu noch mit dem Unterschied, dass er im Wesentlichen mit leeren Händen darsteht, während sich jener im Laufe der Zeit ein solides Repertoire erarbeitet hat.

2.Ordnung
Meine Abspiele dürfen nicht all zu kompliziert und variantenschwer sein. Ich verlasse mich nur sehr ungern darauf, dass mein Gedächtnis mich davor bewahrt, in den Abgrund zu stürzen, sollte ich einen verkehrten Schritt nach rechts oder links vollziehen. Daher bevorzuge ich Varianten mit klaren positionellen Strukturen. Auf diese Weise lassen sich die richtigen Züge logisch herleiten, sollte man die Theorie vergessen haben.

3. Aktivität
Verteidigen kann ein effizienter Weg sein, eine Schachpartie zu gewinnen. Viele starke Spieler geben gerne “Aktivität fuer “Struktur”. Die “tiefen Sizilianer” (ein von mir geprägter Ausdruck) wie beispielsweise der Scheveninger, die Najdorf-Variante, die Kan-Variante oder die Taimanow-Variante geben dafür gute Beispiele ab. Trotzdem ist es natürlich einfacher mit Aktivität zu spielen als dagegen. Von daher wähle ich in der Mehrzahl der Fälle aktive Varianten aus.

4. Sicherheit
So gut wie niemals setze ich meine Leser der Gefahr eines systematischen Angriffs aus, da die Verteidigung des Königs eine extreme Form der Verteidigung darstellt, wobei bereits mildere Varianten wenig Popularität geniessen. Natuerlich gibt es hier auch ganz handfeste pragmatische Gruende. Das Gewicht eines jeden Fehlers ist in der Defensive einfach viel größer. Jeder Fehltritt hier kann der letzte sein.

5. Positionelle Tiefe
Auf die gleiche Weise wie ich wilde Varinaten fürchte, habe ich eine starke Abneigung gegen blutarme Stellungen mit Remischarakter. Auch mit Schwarz sollte man in der Lage sein, auf den vollen Punkt zu spielen, um schwächere Gegner angemessen behandeln zu können. Dieses Ziel der Erhaltung des Gewinnpotentials kann durch die Schaffung von Ungleichgewichten erreicht werden. Ich persönlich achte bei meinen Schwarzeröffnungen darauf, dass zumindest eine Art von Ungleichgewicht besteht, auf der ich dann einen Gewinnplan fußen lassen kann.

6. Vielseitigkeit
Ökonomische Gründe sprechen dagegen, zwei Varianten zu unterhalten, eine solide gegen starke Gegner und eine aggressive gegen schwächere. Welcher Amateur hat schon die Zeit solch einen Aufwand zu treiben? Grundsäztlich sollten unsere Varianten sowohl solide als auch tiefgründig sein und somit allen Gelegenheiten gerecht werden.

7. Originalität
In einer perfekten Welt lassen sich Qualität und Originalitaet verbinden. Während das für den Amateur nur schwer erreichbar ist, sind starke Profis ständig auf der Suche nach soliden und gleichzeitig noch relativ unentdeckten Varianten, um den Gegner damit zu überraschen.