Thema

Es gibt viele komplexe Konzepte, die als Barriere zwischen dem durchschnittlichen Vereinsspieler und dem bestehen, was man als Meisterklasse bezeichnet. Eine dieser Barrieren ist das mysteriöse „positionelle Opfer“.

Ein positionelles Opfer ist ein Opfer auf längere Sicht. Dem gegenüber steht das kurzfristige Opfer, bei dem man auf Mattangriff spielt, in der Hoffnung, entweder mattzusetzen oder Material zu gewinnen. Langfristige Opfer sind schwieriger einzuschätzen, da die Kompensation weniger greifbar ist. Auch fällt es vielen Spielern schwer, über längere Zeit mit einem materiellen Defizit zu spielen. Die Angst, das wertvolle Material nie wieder zu sehen ist in manchen Fällen unerträglich.

Die mangelnde Bereitschaft, langfristig zu opfern führt auf zwei Ebenen zu einer empfindlichen Einschränkung des Handlungsspielraums.

Die erste Ebene betrifft Stellungen, in denen das Opfer optional, also dem Nichtopfer gleichwertig ist. Grundsätzlich gilt:  Unter praktischen Erwägungen ist das Opfer dem Nichtopfer vorzuziehen, da es grundsätzlich leichter ist, mit der Initiative zu spielen, als sich zu verteidigen. Als Verteidiger muss man erstens mehr Rechenarbeit leisten und zweitens haben Fehler größere Konsequenzen. Dies führt zu Angst und diese wiederum zu emotionalen, also suboptimalen Entscheidungen.

Weitaus wichtiger ist allerdings die zweite Ebene. Hier geht es darum, dass positionelle Opfer häufig deutlich stärker sind als alternative Optionen. Obwohl sie somit erzwungen sind werden sie verworfen oder in vielen Fällen gar nicht erst als Möglichkeit wahrgenommen.

Inhalt

Ziel des Seminars ist, den Teilnehmern einen Zugang zur Kategorie der erzwungenen, also leichteren positionellen Opfer zu eröffnen. Dies ist ein realistischer Anspruch. Zu diesem Zweck werden folgende Themen behandelt:

  1. Untersuchung des schachlichen Materialismus
  2. Präsentation eines holistischen Wertesystems
  3. Kategorisierung der Opfer nach Schwierigkeitsgrad
  4. Kategorisierung der Opfer nach Kompensationstyp